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Diözesanbischof Dr. Kurt Krenn von St. Pölten

Predigt bei der Missa Chrismatis
am 8. April 1998


Liebe Brüder im Dienst der Priester und Diakone, liebe Mitbrüder!
Liebe Männer und Frauen des gottgeweihten Lebens, liebe Gläubige!

Ostern 1998 wollen wir feiern. Schon sind wir in die heilige Karwoche eingetreten, die im Osterfest ihren Höhepunkt findet. Ihr werdet in den nächsten Tagen euren Gläubigen das Geheimnis des Leidens und Sterbens unseres Erlösers aufschließen, Ihr werdet sie an Beichte und Buße erinnern; Ihr werdet nach Tagen besonderer pastoraler Mühen mit den euch anvertrauten Gläubigen die Osternacht und den Ostertag feiern. Bringt ihnen auch die Segenswünsche und Ostergrüße des Bischofs mit!

Heute versammeln sich die geweihten Diener mit dem Bischof zur Feier des eucharistischen Opfers und zur Weihe der heiligen Öle. Ihr nehmt die heiligen Öle zur Salbung der Täuflinge und Firmlinge und zur gnadenhaften Aufrichtung der Kranken mit. Heute ist zu dieser Stunde die Diözese in ihren Priestern und Diakonen mit dem Bischof im Dom versammelt. Wir erneuern in dieser Feier die Entscheidung der Weihestunde. Der Bischof dankt euch in Christi Namen für euren heiligen Dienst, den ihr aus Liebe zu Gott und für die Menschen täglich tut. Jeder künftige Tag eures geweihten Dienstes soll von der Treue zu eurer Sendung und Berufung und von eurer Freude im Herrn getragen sein.

Wenn wir heute vor dem Abendmahlstag das sakramentale Gedächtnisopfer unseres Erlösers feiern, sind wir gewiß, daß Christus in höchster Wirklichkeit gegenwärtig ist: Er reicht uns seinen Leib und sein Blut und erfüllt damit tagtäglich seine Verheißung, daß er bei uns sein wird bis zum Ende der Zeiten. In jedem Sakrament der Kirche wirkt der Heilige Geist, der Christus verherrlicht und dem Werk Christi eine Gegenwart und Dringlichkeit verleiht, die nur der Geist Gottes selbst gewähren kann. Dies alles ereignet sich in der Kirche Christi, die das von der Einheit des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes her geeinte Volk Gottes ist (vgl. LG 4). So steht unser geweihter Dienst am Volk Gottes nicht in menschlicher Begründung, sondern im Geheimnis der heiligsten göttlichen Dreifaltigkeit, in deren Teilhabe wir die berufenen und erwählten Verwalter der Geheimnisse Gottes (vgl. 1 Kor 4,1) sind.

Christus gab uns von seinem Geist, damit wir unablässig erneuert werden in der Treue zu dem, was von Christus ist (vgl. Joh 16,14). Dieser Geist ist der eine und gleiche im Haupt und in den Gliedern und macht den ganzen Leib lebendig, eint und bewegt ihn, so daß wir den Geist mit der "Seele" dieses Leibes vergleichen dürfen (vgl. LG 7).

Der Geist ist die Seele jenes geheimnisvollen Leibes, den wir als die eine, heilige, katholische und apostolische Kirche bekennen. Im Lebensganzen dieses Leibes dient der geweihte Diener. Die einzige und eine Kirche Christi hat unser Erlöser nach seiner Auferstehung dem Petrus und den übrigen Aposteln zur Ausbreitung und Leitung anvertraut. Diese Kirche ist verwirklicht in der katholischen Kirche, die vom Nachfolger Petri und von den Bischöfen in Gemeinschaft mit ihm geleitet wird (vgl. LG 8).

Es ist das II. Vatikanische Konzil, das uns erinnert: "Die Bischöfe haben ... das Dienstamt in der Gemeinschaft zusammen mit ihren Helfern, den Priestern und Diakonen, übernommen. An Gottes Stelle stehen sie der Herde vor, deren Hirten sie sind, als Lehrer in der Unterweisung, als Priester im heiligen Kult, als Diener in der Leitung" (LG 20). Das Amt des Petrus und der Apostel dauert im Papst und in den Bischöfen fort. Kraft göttlicher Einsetzung sind die Bischöfe an die Stelle der Apostel als Hirten der Kirche getreten. Wer sie hört, hört Christus, und wer sie verachtet, verachtet Christus und den, der Christus gesandt hat (vgl. LG 20). Als Lehrer, Hirten und Priester handeln die Bischöfe in der Person Christi (vgl. LG 22).

In seiner Teilkirche ist der Einzelbischof das sichtbare Prinzip und Fundament der Einheit. Es ist Ungehorsam gegen den Buchstaben und den Geist des II. Vartikanischen Konzils, gegen den Papst oder den Bischof zu agitieren, ihnen Ehrfurcht, Gehorsam und Liebe zu verweigern. Der hl. Cyprian sagt: Der Bischof ist in der Kirche und die Kirche im Bischof. Wer diese Glaubenslehre des Konzils nicht annehmen und befolgen will, der ist auf dem Weg zur Spaltung von der Kirche und von Christus, in dessen Person der Bischof handelt.

Orate fratres! Betet Brüder für die Bischöfe, die kraft göttlicher Einsetzung das von den Aposteln übernommene Hirtenamt auszuüben haben. Bei aller möglichen menschlichen Fehler- und Sündhaftigkeit seid ihr mit dem Bischof verbunden, der an Gottes Stelle der Herde vorsteht. Seid wohlwollend und barmherzig, seid wie Söhne und Freunde gegenüber dem, der für die Priester, Diakone und Gläubigen als Bischof für die Teilkirche bestellt ist. Söhne und Freunde sollt ihr sein, die den Bischof als ihren Vater anerkennen und ihm ehrfürchtig gehorchen (vgl. LG 28).

Es kann keine heilige Altargemeinschaft ohne oder gar gegen den Bischof geben, denn jede rechtmäßige Eucharistiefeier steht unter der Leitung des Bischofs (LG 26). Wir hätten die Liebe Christi nicht begriffen, wollten wir in die Eucharistiefeier und in den Gottesdienst Streit, Verweigerung und Haß hineintragen.

Liebe hochwürdige Mitbrüder! Im Amt, das euch durch Handauflegung und Gebet des Bischofs im Sakrament der Weihe übertragen wurde, habt Ihr gemäß der Ordnung der Kirche Anteil am Amt und an der Verantwortung des Bischofs. Als sorgsame Mitarbeiter des Bischofs könnt Ihr das Amt des Bischofs vor den Menschen wunderbar darstellen; es ist das Amt des Bischofs, an dem Ihr teilhabt; es ist schließlich das Priestertum Christi selbst, in das wir als Diener am Volk Gottes gestellt sind. Es ist das Amt in der Vorgabe der apostolischen Sukzession, in die ihr durch den Bischof und mit dem Bischof eingeordnet seid. In der apostolischen Sukzession stehen wir in jener Vertrautheit mit Christus, die uns nichts anderes tun läßt als das zu tun, was Jesus wollte und was der Heilige Geist durch die Heilsgeschichte fortwährend der Kirche sagt.

Wir wissen, daß die Gnadengaben der Sakramente nicht von der persönlichen Würdigkeit des Spenders abhängig sind; Gott kann auch durch uns das Heil wirken, selbst wenn wir Sünder sind. Nicht mehr Knechte, sondern Freunde nennt uns Christus; wer Christus wie einen Freund liebt, der wird kein untreuer und fauler Knecht sein wollen. Heute schon erinnere ich an den Heiligungstag für die Priester und lade alle dazu ein: zur persönlichen Beichte, zum brüderlichen Gebet und zur Versöhnung mit denen, die unsere Freunde und Brüder sein sollen.

Ein Gnadentag, der unseren Priestern Trost und Ermutigung bringen möge, sei der Besuchstag des Heiligen Vaters in St.Pölten am 20. Juni 1998. Ich bitte alle Priester und alle Mitarbeiter um die bestmögliche Vorbereitung der Gläubigen auf diese wahrhaft historische Begegnung mit dem Nachfolger des hl. Petrus, der uns im Glauben und in der Liebe stärken soll, damit wir trotz alle Bedrängnis hoffen dürfen.

Papst Johannes Paul II. wird unserer Diözese und der Weltkirche einen Seligen schenken: Der Priester Jakob Kern, der am 21. Juni in Wien seliggesprochen wird, starb als Priester in jungen Jahren; er verstand sein Leben, Leiden und Sterben als Sühne für Mitbrüder, die Christus und der Kirche die Treue und das Streben nach priesterlicher Heiligkeit verweigert hatten. Jakob Kern hat sein Grab im Stift Geras gefunden, wohin wir immer wieder unsere Blicke richten wollen, wenn wir seine Fürsprache erbitten, wenn wir das eine Wichtige für das Leben und den Dienst des Priesters erfassen wollen, wenn es um Treue und um das Einstehen für unsere geliebte Kirche geht.

Der selige Jakob Kern hat nicht angeklagt, er hat vielmehr gesühnt für die Sünden anderer. Als Priester war er ein Freund und Jünger unseres Hohenpriesters Jesus Christus, der durch Leiden den Gehorsam gelernt hat und für alle, die ihm gehorchen, der Urheber des ewigen Heils geworden ist (vgl. Hebr 5,8 f.).

So wollen wir einander zurufen: Laßt uns aufeinander achten und uns zur Liebe und zu guten Taten anspornen (Hebr 10,24).

Komm, Schöpfer Geist, kehr bei uns ein. Maria, Mutter der Kirche, steh bei den geweihten Dienern deiner Kirche, damit sie einstehen dafür: Jesus Christus ist derselbe, gestern, heute und in Ewigkeit (vgl. Hebr 13,8).


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Texte von Bischof Krenn werden im Internet auf hippolytus.net mit freundlicher Erlaubnis von Dr. Kurt Krenn publiziert. Verantwortlich: DI Michael Dinhobl und Dr. Josef Spindelböck. Die HTML-Fassung dieses Dokuments wurde erstellt am 09.04.1998.

 

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