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Predigt am Ostersonntag,
dem 15. April 2001 im Dom von St. Pölten

"Der Heiland ist erstanden, befreit von Todesbanden, alleluja; auch wir werden mit Christus einst auferstehen, alleluja." So singen und beten wir in den Ostertagen immer wieder. Über die Auferstehung Christi freuen wir uns aus ganzem Herzen; diese Freude ist etwas Unendliches und Absolutes, denn sie soll uns nie genommen werden.

Jedem von Ihnen, liebe Gläubige, schenke Gott diese Freude, die unübertreffbar ist, weil der Tod besiegt ist und unser Leben nicht mehr verdrängt werden kann ins Nichts. Ich wünsche jedem von Ihnen ein gesegnetes Osterfest, das nicht mehr endet, weil der auferstandene Christus nicht mehr stirbt, weil Christus immer bei uns sein wird; wir beenden oft unsere Gebete an den Vater mit den Worten: Durch Christus, der mit dir lebt und herrscht von Ewigkeit zu Ewigkeit.

Es kann keine Ewigkeit und keinen Gott geben, der nicht unsterbliches Leben wäre. Leben ist alles; Tod wäre der Absturz ins Nichts; dies verstehen auch wir Menschen, die wir sterblich sind. Durch Christi Menschwerdung, Leben, Leiden, Sterben und Auferstehen wissen wir mehr von der Wahrheit über den Menschen. Gott kann nicht irren, Gott kann auch nicht scheitern, denn er ist die Wahrheit und die Allmacht, die sich ohne Fehler durchsetzt. Wenn Gott uns seinen ewigen Sohn, der wahrer Gott und wahrer Mensch ist, als Erlöser sandte, dann entscheidet sich in Jesus Christus das Gelingen der Macht und Liebe Gottes gegenüber dem Menschsein des Menschen.

Wie armselig und zerbrechlich, wie sterblich und vergänglich der Mensch auf dieser Welt sein kann, das erfahren wir alle in unserem Leben. Im Menschsein des Menschen aber kann sich darüber hinaus mehr kundtun, denn der Mensch hat in sich auch den Grund für das besondere Erfolgsprogramm der Gnade Gottes: Christus tut uns das wahre Menschsein kund, das nicht beengt ist durch Sünde, Tod, Leid und Chaos. Im Menschsein des gekreuzigten und auferstandenen Christus konnte für Gott schon alles gelingen, was Heil und Gnade für uns alle sein wird.

Wir dürfen zurecht vom neuen Menschen durch Christi Erlösung sprechen; der neue und erlöste Mensch wird nicht nur von Sünde und Fehlern gereinigt, er wird vielmehr erhoben zu einem Sein, an das kein anderes sichtbares Geschöpf heranreicht. Der erlöste Mensch wird erhoben zum vollkommenen geschöpflichen Bild und Gleichnis Gottes, in dem Gott durch Christus die auf Erden einzige Kreatur, die Gott um ihrer selbst willen gewollt hat zu höchster persönlicher Würde erhebt.

Das Christsein, das Leben in und durch Christus, ist das gnadenvolle Programm der Erhebung und Erlösung der begnadeten Gotteskinder; du kannst dich ganz darauf verlassen, durch und in Christus Mensch zu sein. Du brauchst kein Engel zu werden; du bist kein monströses Lebewesen. Einst werden wir Gott schauen, wie er ist; in dieser Erhebung wirst auch du begreifen, wer du bist, woher du kommst und wohin du gehst. In Christus findet das Drama unseres Menschseins seinen Höhepunkt und alle Versöhnung mit unserem Schöpfer und Erlöser.

"Christus will ich erkennen und die Macht seiner Auferstehung und die Gemeinschaft mit seinem Leiden, sein Tod soll mich prägen" (Phil 3, 10). Paulus ermahnt uns, nicht als Feinde des Kreuzes Christi zu wandeln, deren Ende das Verderben, deren Gott der Bauch ist. Erhoben durch Christus dürfen wir bekennen: Unsere Heimat aber ist im Himmel von wo wir unseren Retter Jesus Christus erwarten, der unseren armseligen Leib verwandeln wird in die Gestalt seines verherrlichten Leibes (vgl. Phil 3,18-21).


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Texte von Bischof Krenn werden im Internet auf hippolytus.net mit freundlicher Erlaubnis von Dr. Kurt Krenn publiziert. Verantwortlich: DI Michael Dinhobl und Dr. Josef Spindelb÷ck. Die HTML-Fassung dieses Dokuments wurde erstellt am 18.04.2001.

 

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